green Festivals – von Protest & Häme, zu Akzeptanz & Trend

green Camping headerPersönlich kann mich noch sehr gut an das Jahr erinnern, in welchem es beim Rock am Ring Festival erstmals untersagt wurde, gleich das gesamte Auto neben dem Zelt zu platzieren, wie seit Jahr und Tag so gewohnt und praktiziert. Das Gezeter war groß, vom großen Ausverkauf war da die Rede und ja, es war zunächst einmal ungewohnt. Nicht desto trotz, fanden sich in den darauf folgenden Jahren, dann die üblichen Verdächtigen, wieder auf den Zeltplätzen rund um den Nürburgring ein. Ohne das geliebte Automobil und obwohl, ob des „Autofreien-Zeltplatz Gebots“, im Vorjahr noch lauthals ein eigenes Fernbleiben angekündigt. – Heute ist ein Autofreier Campingplatz der Normalfall und kein Mensch ist wirklich mehr verärgert über die mittlerweile gar nicht mehr so „neuen Regeln“. Letztlich musste sich wohl jeder, bei einem zweiten, unvoreingenommenen Blick auf das Verbot eingestehen, dass die positiven Seiten des Verbots überwiegen; und wenn es bei einigen speziellen Kandidaten, auch nur das Wohlergehen des eigenen Wagens ist, was letztlich den Ausschlag ausmacht. – Zumindest das ganz große Chaos, konnte auf diese Weise eingegrenzt werden. – Ein erster Schritt, raus aus den vermüllten 90ern, hin zur dem sich dann eher grün gebenden ersten Jahrzehnts des neuen Jahrtausends.

brennendes FestivalzeltUm ungefähr dieselbe Zeit herum, begannen dann auch die ersten Festivals damit, die Festival-Tickets mit zusätzliche Müllpfand-Zuschlägen zu belegen. Auch zunächst ein großer Aufreger, bald ganz normaler Festival-Standard und längst Festival-Alltag. Sauberer wurde es dadurch zwar nicht, aber unterm Strich, aber immerhin ein Zeichen konnte mit der Einführung von Müllsäcken gesetzt werden. Problematisch und auch so zu erwarten gewesen nur, dass nach dem Befüllen und Abgeben des einen ausgehändigten Sackes, dann auch als getan angesehen wird; da kann noch soviel Müll auf dem eigenen Lagerplatz liegen, auf die Idee vielleicht noch weitere Säcke zu füllen und seinen Müll zu entsorgen, kommen nur die aller wenigsten. Schließlich gibt es ja kein Extra-Geld für jeden Sack. Wieder andere verzichten gerne auf die fünf bis zehn Euro und argumentieren, sich durch die Zahlung bzw. Nichtrückerstattung des Pfandes, von jeglichen Müllbeseitigungs-Management-Pflichten freigekauft zu haben. Unterm Strich vielleicht ein nettes Zubrot für die Veranstalter, um eine Grundreinigung des Geländes kommen diese ohnehin nicht herum; – zu einem „schöner Campen“, oder gar „green Camping/Festival“, trägt aber auch das Müllpfand nichts bei.

Grüneres Denken in allen Lebensbereichen

green-camping_liste_uebersichtDem allgemein zu beobachteten, steigenden Bewusstsein unserer Gesellschaft im Punkte Umweltschutz und Nachhaltigkeit geschuldet, wurden und werden es aber immer mehr Festival-Besucher, die sich die unsäglichen Zustände, die mancher Orts auch heute noch auf den Camping-Arealen großer Festivals, eher der, beinahe schon erschreckende, Regelfall sind, einfach nicht mehr geben wollen. Die Veranstalter reagierten, der eine früher, der andere später und begannen damit, gesonderte green Camping Areale einzurichten. Hurricane und Southside gingen voran, es folgten weitere und in diesem Jahr wird es auch wieder auf dem Ring möglich sein, ein green Festival zu erleben. – In der Regel erfolgt das Prozedere denkbar einfach, durch Registrierung für das green Camping-Angebot des Festivals beim Veranstalter. Ist noch genügend Platz im Wunschareal vorhanden, erfolgt eine Bestätigung des Veranstalters und man erhält bei Anreise, dann vor Ort ein spezielles Festival-Bändchen, was zu den Zugang auf die green Festival/Camping Areale erlaubt.

Sind auf vielen Festivals, die freien Plätze auf den immer beliebter werdenden green Camping Arealen knapp und schnell vergriffen, so handhabt es der Ring, bei seinem erst zweiten green Festival-Angebot, sehr flexibel. Die Größe des Areals wird sich dann nämlich einfach der Zahl der green Camper anpassen, die sich bis zu einem gewissen Stichtag registrieren gelassen haben. Auf diese Weise kommt auf dem Eifel-Festival jeder der möchte und es auch nicht verpasst sich zu registrieren, in den green Festival/Camp-Genuss, der ein zumindest weitestgehend zivilisiertes campieren möglich macht. – Eine echte Alternative, für eine immer größer werdende Anzahl von Festival-Besuchern; und dies Generationen und Subkulturen übergreifen. Der Weg, sukzessive hin zu einem insgesamt grünerem Festival-Leben, kann wer will, sich auf den Websiten der Festivals, die von der FKP Scorpio veranstaltet werden (Hurricane, Southside, Highfield…) zu Gemüte führen – von den ersten, zaghaften Schritten, wie der Einführung eines Becherpfands im Jahr 1997, bis eben heute, wo sich ein klarer Trend, hin zu green Festival/Camps erkennen lässt. Auf jeden Fall eine interessante Sicht und irgendwie auch fast schon (wenn auch mal ordentliche überzeichnet), weit über den grünen Werdegang der Festivals hinaus, ein Zeitdokument für den gesellschaftlichen Wandel der Zeit…

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